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Die Landeshauptstadt und das Schloss

Hoch schlagen die Wellen, die Bevölkerung ist sich uneins: wir geben eine kurze Übersicht über die wichtigsten Argumente.

Pro

Das Wichtigste zuerst: der gemeine Tourist findet ein Schloss prima. Und da die Stadt kaum eins hat, braucht sie dringend ein Schloss. Am besten mitten in der Stadt, möglichst direkt am Bahnhof; damit man es direkt sieht, wenn man aus der Regionalbahn quillt. Ein Stadtschloss sozusagen.
Und dann der Landtag, der da einziehen wird. Bekannterweise muss ein Landtag erstens ein repräsentatives Gebäude wie mindestens ein Schloss beziehen und zweitens mitten in der Stadt residieren. Wegen der Bürgernähe, die ein Landtag im Gegensatz zu einem Rathaus nun einmal nötig hat.
Und seien wir mal ehrlich: liegt nicht zuletzt eine Chance darin, dass sich der Tourist vom Stadtschlosslandtag auf dem Weg zum Restaurant mit dem goldenen "M" in das abolut tote Areal an der Schiffbauergasse verirrt und diesem versehentlich Leben einhaucht?

Contra

Das Wichtigste zuerst: Das Schloss wird gar kein Schloss, sondern ein Landtag. Was man unter anderem daran erkennt, dass die öffentliche Hand baut und es selbiger völlig egal ist, ob der Bau einen Meter kürzer oder länger wird. Und ob dadurch die Tordurchfahrten wegfallen, die der Tourist so dringend gebraucht hätte, um mit seiner Krämser-Kiste direkt vor den Plenarsaal zu klappern.
Was hätte das für ein schöner Platz bleiben können, mit freier Sichtachse auf die fürderhin total zugemauerte Nikoleikirche.
Und seien wir mal ehrlich: Welcher gemeine Tourist soll bei dieser Schlösserübersättigung noch eine Chance haben, nach einer sechs stündigen Schlössertour zu den wichtigsten siebenundreissig Schlössern der Stadt am Abend auch nur das Neue Palais vom Klinikum Ernst von Bergmann zu unterscheiden?

Jetzt mal Hand aufs Herz: Neben Sanssouci, Neuem Palais, Neuen Kammern, Cecilienhof oder Schloss Babelsberg kommt es auf ein Schloss mehr oder weniger nun wirklich nicht an. Jetzt bloß nicht Kleinlich werden.